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Effizienz vs. Kreativität – Workflows der Musikproduktion am Computer

Profilbild von Dominik Rösler

Dominik Rösler
27. Oktober 2020• min Lesezeit

Ob im Arbeitsleben, in der Freizeit oder bei persönlichen Projekten – Effizienz ist ein wichtiger Bestandteil von erfolgreicher künstlerischer Arbeit.

Gerade im Bereich der Musikproduktion führt das zu Problemen, da für viele hier nicht Effizienz im Vordergrund steht, sondern Perfektion. Viele Künstler wollen sich ständig steigern und mit jedem Song noch besser, noch ausgefeilter werden. Daher kann ein Musiker gerne auch Monate damit verbringen, einen Song zu produzieren und es werden ihm währenddessen immer wieder Dinge auffallen, die er wieder verwerfen oder anders machen möchte. Daher stellt sich die Frage:

Kann man effizient perfektionistisch sein? Schließen sich Effizienz und Einfallsreichtum gegenseitig aus?

Es gibt je nach Genre und Equipment die verschiedensten Wege, einen Song zu produzieren. Die folgenden Methoden bieten daher nur einen kurzen, allgemeinen Überblick. Das wesentliche Ziel ist es, die einzelnen Prozesse der Produktion zu analysieren. So lassen sich Wiederholungsmuster erkennen, die sich zusammenfassen lassen, um Zeit zu sparen und den Workflow zu optimieren.

Eine gute Methode der Musikproduktion ist die Aufteilung in Sessions:

Oft haben Musikproduzenten neben virtuellen auch physische Instrumente, welche jeweils ein eigenes Setup benötigen. Instrumente wie ein Drum-Set oder eine Gitarre, die nur sporadisch zum Einsatz kommen, benötigen schnell mehr Zeit für Auf- und Abbau, als nötig wäre. Hier bieten sich gezielte Instrumental-Sessions an, in denen zum Beispiel Gitarrenspuren für verschiedene Songs nacheinander aufgenommen werden.

Bis dahin werden in der Produktion Platzhalter eingefügt, die später ersetzt werden. Vorteile dieser Methode sind unter anderem, dass man sich durch den gezielten Fokus auf das Instrument kreativer ausleben kann und sich in dem Moment keine Gedanken über andere Elemente im Song machen muss.

Sound-Design-Sessions:

Sound-Design bezeichnet das kreative Bearbeiten von Sound, was von einfachen Effekten bis zu komplexen Synthesizer-Strukturen reicht. Je nach Genre kann Sound-Design einen Großteil der Zeit in der Produktion ausmachen. Während bei Orchestermusik oft Presets oder Aufnahmen verwendet werden, die in sich schon so gut klingen, dass die Anpassungen eher minimalistisch gehalten sind, werden in vielen elektronischen Musikstilen ganze Sounds mit Synthesizern designed.

Unabhängig vom Genre finden sich aber immer Elemente, wie beispielsweise Drum- oder FX-Sounds, welche man in einer einzelnen Session erstellen und zu einem eigenen Sound-Pack zusammenfügen kann, ähnlich wie bei den Instrumental-Sessions. Auch hier kann man wieder intensiver und mit mehr Luft für Experimente auf die jeweiligen Elemente eingehen. Man sollte nur vorab gut überlegen, welche Elemente in der Session sinnvoll für die spätere Produktion sind, sonst verliert man den Effizienzvorteil der Sound-Design-Sessions.

Mixdown-&-Mastering-Sessions:

Mixdown und Mastering werden von den meisten Produzenten so oder so als separater Prozess angegangen. Hier ist es wieder hilfreich, den Prozess für mehrere Songs, gerade bei einer Alben-Produktion, zusammenzuschließen. Das hat den Vorteil, dass das Klangbild der einzelnen Songs gut zusammenpasst und man schneller das Gefühl für eine gleichmäßige Lautstärke entwickelt. Natürlich muss man sich dabei damit anfreunden, möglicherweise erstmal ein ganzes ungemixtes Album auf der Festplatte liegen zu haben.

Generell gilt für alle diese Methoden: Das eigene Wohlbefinden bei der Produktion führt meist zu den besten und auch effizientesten Ergebnissen. Daher lieber keine Methoden verwenden, mit denen man sich selbst nicht wohl fühlt. Wie anfangs erwähnt, können diese Prinzipien aber auch auf andere Prozesse in der Produktion angewandt werden.

Als Produzent für elektronische Musik mache ich zum Beispiel auf der einen Seite Sound-Design-Sessions, um meine persönlichen Sound-Libraries zu erweitern und meinen Workflow während der Produktion zu verbessern. Auf der anderen Seite habe ich manchmal eine sehr spezifische Vorstellung eines Sounds, die ich dann direkt in der Produktion umsetze, da Library-Sounds in dieser Situation nicht gut funktionieren. Außerdem benutze ich keine Instrumental-Sessions, da ich mit programmierten Instrumenten klanglich nahe an Audio- oder Midi-Aufnahmen herankomme, aber dabei viel Zeit spare.

Dadurch, dass Sound-Design ein großer Bestandteil meiner Produktionen ist, unterteile ich dieses meist in effiziente Bass-, Drum- und Melody-Design-Sessions.

Beim Mixing und Mastering teile ich die oben genannte Methode auf: Mastering mache ich meist in einer Session, Mixdown allerdings mache ich lieber während der Produktion. Neue Elemente mische ich lieber gleich ab, um schon während der Produktion einen sauberen Mix zu haben. Das ist aber sicher Geschmacksache.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Hier ein Sample aus einem aktuellen Agentur-Projekt, das ich vertont habe:

Dabei habe ich einige der Methoden in der Praxis angewendet:

Da ich mehrere Versionen erstellen wollte, habe ich mir als erstes genau überlegt, wie sich das Klangbild aller Ideen verhalten soll. Darunter zählen Dinge wie die Dynamik, der harmonische Charakter, Rhythmik und vieles mehr.

Anschließend begann die Produktion. Ich habe mich dazu entschieden, den Mixdown der einzelnen Elemente erst am Ende zu machen, um die verschiedenen Ideen möglichst schnell und direkt hintereinander erstellen zu können. Aus diesem Grund habe ich auf vorhandene Loops und Presets aus eigenen Sessions zurückgegriffen. So konnte ich mich auf die Melodien und Akkorde fokussieren. Da der zu vertonende Clip nur 20 Sekunden lang war, habe ich alle Ideen in einem Projekt erstellt. Das hat den Vorteil, dass der Mixdown schneller und einfacher gemacht werden kann und Elemente, die in mehreren Ideen vorkommen, nur einmal abgemischt werden müssen. Erst nachdem ich alle Ideen erstellt und abgemischt habe, bin ich ans Mastering gegangen.

Hier habe ich den Prozess aufgeteilt. Anstatt alles nur auf dem Master-Channel zu machen, habe ich die Composings in individuelle Channel geleitet. Dadurch konnte ich Dinge wie Equalizer oder Kompression individuell für jede Idee anpassen. Anderes, wie Limiting oder die Anpassung der Lautstärke habe ich dann direkt im Master für alle gleichzeitig gemacht. So konnte ich meine Entwürfe schnell und effizient fertig stellen und flexibel auf Änderungswünsche reagieren.

Diese Herangehensweise war natürlich nur meine persönliche Entscheidung für dieses spezielle Projekt. Allerdings habe ich mich damit am besten gefühlt und hatte Spaß bei der Sache – was schließlich eins der wichtigsten Dinge bei einer Produktion ist.

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Dominik Rösler
Azubi Digital
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