KI Bilder vs echte People-Fotos: Wie gut sind AI-Generatoren für das Marketing wirklich?
Künstliche Intelligenz kann heute in Sekunden Bilder erzeugen, für die früher aufwendige Fotoshootings nötig waren. Doch wie gut funktionieren diese KI-Bildgeneratoren wirklich – vor allem bei People-Motiven? Können sie echte Models ersetzen oder stoßen sie im professionellen Einsatz schnell an ihre Grenzen? In diesem Artikel teile ich meine Praxiserfahrungen aus dem Agenturalltag und zeige, wo KI bereits überzeugt – und wo nicht.
Warum KI Bildgeneratoren gerade so gehypt werden
Tools wie Midjourney oder andere AI-Bildgeneratoren haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Besonders seit dem Durchbruch der sogenannten Diffusionsmodelle hat sich die Qualität deutlich verbessert.
Was früher nur kleine, fehlerhafte Bilder waren, ist heute oft erstaunlich fotorealistisch. Unternehmen sehen darin großes Potenzial:
- schnellere Produktion von Bildmaterial
- geringere Kosten im Vergleich zu Fotoshootings
- flexible Anpassung von Motiven
Gerade im Marketing klingt das nach einer perfekten Lösung.
Meine Praxiserfahrung mit People-Fotos und KI
Als Creative Director arbeite ich seit Jahren mit visuellen Markenwelten. Für unsere Kunden haben wir mit aufwendigen Fotoshootings oder Stockbildrecherchen und -retuschen individuelle und wiedererkennbare Bildsprachen entwickelt. Beispiele dafür finden Sie beispielsweise in unseren Projekten für den Onlineshop-Pionier Intershop oder den Betreiber von Altenheimen Curage
Bisher: unkonventionelle Menschen mit konventioneller Fotografie, hier im Beispiel für den Aufbau der neuen Website für unseren Kunden Lexsys
Mit dem Aufkommen generativer KI war die Frage naheliegend:
Können wir diesen Prozess durch KI ersetzen?
Die Anfangsjahre: KI ist vielversprechend, aber unausgereift
Schon früh habe ich mit KI-Bildgeneratoren experimentiert. Die Ergebnisse waren zunächst eher ernüchternd:
- unnatürliche Proportionen
- zusätzliche Gliedmaßen
- verzerrte Gesichter
Für kreative Experimente war das interessant – für Unternehmenskommunikation jedoch kaum nutzbar.
Aus der KI-Steinzeit Anfang der 2020er-Jahre: Hier habe ich mit Stable Diffusion eine Szene mit Personen generiert
Der Fortschritt: KI wird alltagstauglich
Inzwischen hat sich die Technologie deutlich weiterentwickelt. Moderne KI-Modelle liefern:
- höhere Auflösung
- realistischere Lichtstimmungen
- bessere Details
Mit etwas Nachbearbeitung lassen sich viele Ergebnisse heute tatsächlich im Marketing einsetzen. Doch ein entscheidendes Problem bleibt.
Die linke Szene hab ich 2024 mit Midjourney erstellt. Rechts das (unbearbeitete) Ergebnis mit dem gleichen Prompt, zwei Jahre danach
Das große Problem: KI-generierte Menschen wirken oft zu perfekt
Gerade bei People-Fotografie zeigt sich eine Schwäche vieler KI-Modelle: Die Ergebnisse sind häufig zu glatt, zu perfekt – und damit austauschbar.
Typische Merkmale:
- stereotype Gesichter
- fehlende Individualität
- „weichgespülte“ Ästhetik
Obwohl, oder gerade weil Milliarden Trainingsdaten genutzt werden, entstehen oft generische Ergebnisse ohne echten Charakter.
Zu schön, um wahr zu sein: Dieses KI-generierte Model entspricht zwar dem Mainstream-Schönheitsideal, ist dadurch aber zu glatt und für authentische Inhalte wenig geeignet.
Der Versuch, mehr Realität zu erzeugen
Um realistischere Menschen zu generieren, muss man gezielt gegensteuern – über sehr präzises Prompting.
Das bedeutet:
- bewusste „Unperfektheit“ beschreiben
- individuelle Merkmale definieren
- Bias und Klischees vermeiden
Selbst dann ist das Ergebnis nicht immer überzeugend – und der Aufwand für anschließende Retuschen darf auch nicht vergessen werden.
KI vs echte Models: Der direkte Vergleich
Auf den ersten Blick sympatisch, der KI-generierte Mechatroniker links. Für authentische Inhalte und Testimonials braucht es aber echte Fotografie, so wie im Bild rechts
1. Authentizität
Echte Menschen transportieren Emotionen, Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit.
KI-Bilder wirken oft noch künstlich oder generisch – besonders bei genauer Betrachtung.
Besonders kritisch: Testimonials oder vertrauensbasierte Kommunikation.
2. Kosten & Aufwand
KI wirkt zunächst günstiger – aber dabei muss immer folgendes berücksichtigt werden:
- Zeit für Prompting, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist
- Nachbearbeitung von Unsauberkeiten der Generierung
- Kosten für das KI-Tool selbst
- rechtliche Absicherung bei der Veröffentlichung
Ein Fotoshooting oder Stockbilder sind planbarer, KI oft experimenteller.
Je nachdem, auf welchen Aspekten der Fokus liegt, dann das Eine oder das Andere sinnvoller sein.
3. Rechtliche Aspekte
Auch wenn vieles heute möglich ist – Die rechtssichere Verwendung ist ein oft unterschätzter Punkt. Folgendes gilt es zu beachten:
- Nutzungsrechte bei KI-Bildern sind komplex
- Trainingsdaten sind nicht immer transparent
- Bildvorlagen für die Erstellung von KI-Personen können Nutzungsrechten unterliegen
- Kennzeichnungspflichten nehmen zu
Gerade im professionellen Umfeld kann das entscheidend sein. Am besten informieren, was jeweils für das Land, in dem Sie veröffentlichen wollen, gilt.
Je nach genutztem Bildgenerator liegen möglicherweise Trainingsdaten zugrunde, die rechtlich schwierig sind.
Ein Praxisbeispiel aus dem Marketing
In einer B2B-Kampagne haben wir sowohl echte Models als auch ein KI-generiertes Bild eingesetzt. Das Ergebnis:
- Im Bewegtbild funktionierte das KI-Bild nach Korrekturen gut
- In klassischen Anzeigen mit Testimonials war es ungeeignet
Warum? Es fehlte die Glaubwürdigkeit. Zusätzlich kam während des Projekts eine neue Kundenrichtlinie hinzu: KI-Inhalte mussten gekennzeichnet werden. Damit wurde das KI-Motiv für einige Medien unbrauchbar.
Nach wie vor wichtig bei Testimonials: klassische Fotografie als Beweis der Glaubwürdigkeit. (Das ganze Projekt finden sie unter Mercedes-Benz Teilehandel PARTSpro+)
Wann sich KI Bilder wirklich lohnen
KI ist besonders sinnvoll für:
- abstrakte Motive
- konzeptionelle Visuals
- schnelle Content-Produktion
- Social Media Assets
Weniger geeignet ist sie für:
- authentische People-Fotografie
- Marken mit starkem Vertrauensfokus
- Testimonials und reale Geschichten
Fazit: Werden echte Fotos überflüssig?
KI Bildgeneratoren haben sich von einer Spielerei zu einem ernstzunehmenden Werkzeug entwickelt. In vielen Bereichen können sie die Bildproduktion bereits effizient unterstützen.
Aber: Für authentische, glaubwürdige Kommunikation bleiben echte Menschen aktuell unersetzlich. Die Zukunft liegt nicht im „Entweder-oder“, sondern im intelligenten Zusammenspiel von KI und klassischer Fotografie.
Kurz zusammengefasst
- KI Bilder sind schnell und flexibel einsetzbar
- Die Qualität ist inzwischen marketingtauglich
- People-Motive bleiben eine Herausforderung
- Authentizität ist mit echten Menschen schwer zu ersetzen
- Rechtliche Aspekte gewinnen an Bedeutung
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